Eine kleine Zeitreise..

Der Hof -unser Familiensitz seit Generationen- wurde bis zum Jahre 1976 landwirtschaftlich genutzt, dann wurde die Landwirtschaft aus Altersgründen aufgegeben.

Er befindet sich am Rande des oldenburgisch-ostfriesischen Geestrückens, einem Gelände mit sandigem Boden, von den Gletschern der Eiszeit geschaffen. Früheste Zeugnisse von der Anwesenheit des Menschen in Achternholt sind kleine Feuerstein-Abschläge, auch Mikrolithen genannt.
Sie wurden von Menschen in der Mittelsteinzeit, also vor ca. 7000 Jahren, hier hinterlassen. Gefunden wurden sie am sandigen Uferwall der Lethe, einem kleinen Flüßchen, das namensgebend für den Nachbarort Oberlethe wurde.
Umgeben sind wir von ehemals ausgedehnten Moorflächen, wie z.B. dem Vehnemoor. Diese Gebiete konnten sich nach der letzen Eiszeit seit etwa 12000 Jahren im feuchten regenreichen Küsten-Klima über Jahrtausende ungestört entwickeln.
Menschen mieden diese Landschaften wenn möglich, nur die bei Abtorfungsarbeiten teilweise freigelegten jahrtausende alten Bohlenwege belegen ihre rege Reisetätigkeit besonders in der Bronzezeit vor ca. 3000 Jahren.
So wurden im Nachbarort Westerholt die berühmten Wagenräder vom Glum gefunden, imposante, 3500 Jahre alte Erlenholz-Räder eines prähistorischen Karrens, vom Moor konserviert.
Das gilt auch für Menschen, die in längst vergangenen Zeiten im Moor ihre letzte Ruhe fanden und von den Torfstechern, die bis Mitte des letzten Jahrhunderts das Moor mit dem Spaten per Hand abbauten, entdeckt wurden.
Einige dieser Moorleichen sind im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg zu sehen, einem spannenden Ort für natur- und geschichtsinteressierte Gäste.

Randnotiz:
Auch der Name des Nachbarortes „Benthullen“ weist auf das Moor im Untergrund hin. Das Bentgras wächst auf moorigem Boden in Büscheln, „Hullen“ genannt. Hier in Benthullen liegt das sehenswerte „Moor- und Bauernmuseum“, in dem oft vielbesuchte Oldtimer-Treffen stattfinden und viele Relikte aus dem bäuerlichen Leben des letzen Jahrhunderts zu finden sind.

Im Mittelalter war die Marienkirche in Wardenburg für Pilger ein beliebtes Ziel; ihrer Marienstatue wurden große Heilkräfte zugeschrieben und bescherten der Kirche große Reichtümer. So konnte man sich sogar ein prunkvolles Kupferdach leisten, das die Jahrhunderte allerdings nicht überdauerte.
Der Feldherr Tilly lagerte im Jahre 1623 für drei Wochen mit seinen 25.000 Soldaten bei Wardenburg. Er war auf dem Weg nach Ostfriesland, wo er das Heer von Feldherr von Mansfeld bekämpfen wollte.
Durch geschickte Diplomatie und Geschenke (Oldenburger Pferde) gelang es Graf Anton Günther, ihn zum Abzug zu bewegen und Oldenburg von Kriegshandlungen zu verschonen. Gleichwohl wurde in Wardenburg geplündert und es blieb ein Trümmerfeld zurück.

Es herrschten lange Zeit eher ärmliche Verhältnisse in der hiesigen landwirtschaftlichen Bevölkerung. Prägend wurde der „ewige Roggenanbau“ auf den großteils sandigen Böden, deren Ertrag nur durch Plaggen-Düngung auf Dauer erhalten werden konnte. Dazu brauchte man genügsame Heidschnucken-Schafe, die oft auf den Allmende-Flächen grasten und deren Hinterlassenschaften im mit Heideplaggen ausgelegten Schafstall gesammelt und dann auf den Esch-Fluren verteilt wurden.

Nach der Erfindung des Kunstdüngers 1875 verlor sich allmählich diese Wirtschaftsform, die die Böden oft noch mehr verarmen ließ und einen nackten Sandboden zurückließ, der dem Wind schutzlos ausgeliefert war, was zu großen Verwehungen führte. Um den Sand zu fixieren, wurden die Kiefernwälder der Umgebung angelegt, wie der „Litteler Fuhrenkamp“ und der „Oberlether Fuhrenkamp“ ebenso wie der „Tüdick“

Darüber hinaus gingen viele Landbewohner für einen Teil des Jahres zum arbeiten nach Holland, um dort als „Holland-Gänger“ -Handwerker, Tagelöhner, Mägde und Hausmädchen- zu arbeiten.

Unser Hof liegt direkt am „Münsterschen Damm“, einem historischen Weg, dem diese Hollandgänger in wochenlangem Fußmarsch folgten.

Eine weitere Besonderheit von Achternholt und Umgebung sind die vielen Ziegeleien, die hier aufgrund des hoch anstehenden Tones und des leicht verfügbaren Brennstoffes Torf bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts in Betrieb waren. So gibt es im Nachbarort Westerholt das Ziegeleimuseum mit einem historischen Ringofen und Straßennamen, die noch auf die alten Standorte hinweisen wie z.B. Ziegeleiweg und Töpfereiweg.
Dieser Ton ist eine Hinterlassenschaft der Eiszeiten, die unsere Landschaft maßgeblich geprägt haben. Wo Ton im Untergrund liegt, wachsen gern Buchen, wie am ehemals ausgedehnten „Hoop“ zu erkennen ist. Dies war der historische “Harberwald“ , der heute nur noch als winziger Restbestand erhalten ist und von dem sich der alte Name Oberlethes -Herbergen- ableitete.
Auch der Name der Ortschaften „Achternholt“ und Westerholt“ hat Bezug zu diesem Wald. Achternholt liegt „hinter dem Holz“; hier siedelten sich die Bauern an, die in Herbergen keinen Platz mehr fanden, so auch unsere Vorfahren.
Und Westerholt lag westlich des Holzes, also Richtung Ammerland.

Damit sind wir am Ende unserer kleine Zeitreise angekommen,
wir hoffen, Ihnen einen kleinen Einblick in die Entstehung unserer Landschaft gewährt zu haben.